Umstrittener Anfang

Das Gebiet der Pfarre Waidhofen gehörte einst zur Mutterpfarre Aschbach. Kaiser Karl der Gr. übergab das Gebiet der Urpfarre Aschbach dem Bischof von Passau zur Kultivierung und Organisation der Seelsorge. Freilich wird damals noch nicht von „ Pfarre“ gesprochen, denn diese setzt ja eine Entwicklung voraus. 1109 verleiht Bischof Ulrich von Passau den Zehent und die Kirche von Aschbach dem neugegründeten Chorherrenkloster in Seitenstetten ( St. Veit in der Au) und nachdem dieses aufgehoben war, gab er die Pfarre Aschbach 1116 dem Benediktinerstift Seitenstetten. Bei diesem Rechtsakt wird erstmals von der Pfarre Aschbach gesprochen und auch in etwa ihr Gebiet umschrieben: Aschbach mit Allhartsberg, Biberbach und Krenstetten und alles, was noch entlang der Ybbs bis zur „ Karinthscheide“ (also bis zur nieder – ,oberösterreichischen , steirischen Grenze ) gerodet würde. Durch diese Angabe ist Waidhofen als Teil der Großpfarre Aschbach anzusehen und war dadurch mit dem Stift Seitenstetten eng verbunden.
Der innere Ausbau der Pfarre Aschbach schritt durch die zügige Besiedlung des Ybbstales bis hinein ins Gebirge voran. In Waidhofen wird 1162 ein Wichpoto erwähnt. Die Errichtung einer Burg im benachbarten Konradsheim durch Konrad I. von Peilstein ( + 1168) spricht ebenfalls für eine ansehnliche Ansiedlung in diesem Gebiet. Neben den Streuhöfen der Neusiedler war auf dem Sporn zwischen Schwarzbach und Ybbs an strategisch günstiger Stelle ein geschlossenes Siedlungsgebiet mit einem Wehrbau, später Burg, und der „Capella“ entstanden.
Mit der Errichtung von Gotteshäusern begann aber auch die Entwicklung zu neuen eigenen Pfarrgemeinden. In einer Papsturkunde vom 30. Aug. 1186 über die Besitzungen des Stiftes Seitenstetten wird auch in Waidhofen eine Seelsorgstelle als „ Capella“ in der Pfarre Aschbach erstmals erwähnt.
Über die Zeit der selbstverständlichen Zugehörigkeit zum Stift Seitenstetten schweigen die Quellen. 1158 kam es zu einer ersten Unstimmigkeit zwischen Seitenstetten und Freising um Zehentrechte in der Pfarre Aschbach. Hundert Jahre später,1258 bis 1267, zog sich ein langwieriger Prozess um die Zehentrechte in Aschbach, Waidhofen und Hollenstein hin, der damit endete, dass dem Hochstift Freising als Grundherrn in der Pfarre Waidhofen das Recht zugesprochen wird, den Pfarrer dem zuständigen Bischof in Passau zur Ernennung vorzuschlagen, und dass dem Stift Seitenstetten weiterhin der Zehent gehören solle, wie es seit alten Zeiten üblich war. Weil Waidhofen in der Schenkungsurkunde der Pfarre Aschbach an das Stift Seitenstetten (1116) noch nicht erwähnt war, wurde offensichtlich im Zuge der fortschreitenden Verselbständigung der Pfarre so entschieden. 1267 wird für Waidhofen ein Magister Heinrich, ein Freisinger Chorherr, als Pfarrer genannt, während der drei Jahre früher erwähnte Eberhard als Kirchenrektor bezeichnet wird. Seine Einsetzung (vermutlich schon durch Freising) war rechtlich noch umstritten. Man kann also annehmen, dass die Pfarre Waidhofen um 1264 entstanden ist, sicher aber 1267 bestand. Die Pfarrkirche, 1168 noch als Kapelle bezeichnet, wird ungefähr zu dieser Zeit entstanden sein. Den ersten Kirchenpatron St. Lambert hat Seitenstetten wahrscheinlich in Reverenz gegen seinen zweiten Stifter, Wichmann von Magdeburg, der 1185 sein Stiftergedächtnis auf den Tag des hl. Lambert bestimmt hat, ausgewählt. Die zweite Kirchenpatronin könnte eine Dokumentation der neuen Zugehörigkeit zu Freising sein und anlässlich einer Erweiterung oder Weihe der neuen Pfarrkirche vom Freisinger Bischof eingesetzt worden sein.

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Die Pfarre im Aufbau

  Die Lage an einem Weg vom Ennstal ins Donautal förderte sicher die Entwicklung des Ortes, der im Einflussbereich der Peilsteiner Burg auf Konradsheim stand zu einem kleinen Handelszentrum. 1220 wird Waidhofen deshalb bereits „ Markt“ genannt und 1273 wird erstmals die Bezeichnung "Stadt" verwendet, die 1300 mit eigenem Siegel unterfertigt.

     Die Lage am Wasser, das Hämmer und Mühlen antrieb begünstigte die Verarbeitung von Eisen und damit den Ruf Waidhofens als jene Eisenstadt, die sie sich so gerne nennt. 1316 erfahren wir aus dem damaligen Urbar (Abgabenverzeichnis) von Schmieden, Schustern, Schneidern, Bäckern, Sattlern, Müllern, Fleischhauern, Steinmetzen, Kürschner, Fischern, Handschuhmachern und Tischlern in der Stadt.

     Das Gemeinwesen blühte unter dem Grundherrn Freising, der nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein auf Konradsheim 1218 wieder in seine alten Rechte eingetreten war, die es sich durch den oben beschriebenen Rechtsstreit mit Seitenstetten abgesichert hatte. Für das Anwachsen der Bevölkerung spricht auch der Bau einer" Basilika zu Ehren des hl. Johannes" durch den Notar Konrad im Jahr 1277. Ob es sich dabei um einen Zubau zur jungen Pfarrkirche oder einen Karner (Beinhaus) neben der Pfarrkirche gehandelt hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Schon im Jahr vorher hatte Pfarrer Heinrich von Wörth dem Spital vor der Stadt ein Grundstück geschenkt und sein Haus neben dem Friedhof zum Pfarrhof bestimmt, wo er sich bis heute befindet. Seit 1312 sollte der Pfarrer immer ein Kanoniker des Freisinger Domkapitels sein, der aber zumeist von einem Vicar vor Ort, der auch Priester war, vertreten wurde. Bald entstand auch ein Bürgerspital als eine Art Altersheim für Bürger mit einer eigenen Kirche. 1361 erfahren wir von einem Kaufhaus und verschiedenen Handelsprivilegien. Der wirtschaftliche Aufschwung findet seinen Niederschlag auch in den Handwerksordnungen der Zünfte deren bedeutendste jene der Messerer aus dem Jahr 1436 ist. 1450 ergeht ein Privileg für einen Jahrmarkt rund um den Kirchweihtag, der mit dem Sonntag "nach Jacobi im snit" ( 25. Juli) angegeben wird. In diese Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und auch der Rivalität mit anderen Orten (Steyr) fällt die Entscheidung für den Neubau der Pfarrkirche. Eine Stiftung von Pfarrer Friedrich Staudtheimer und ein Ablassbrief von 1439 begünstigen auf alle Fälle die Kirche. Auch der stilistische Baubefund weist auf das ausgehende 15. Jhdt. als Errichtungszeit der heutigen Pfarrkirche. Das überlieferte Jahr der Schenkung der Messerermonstranz an die Kirche 1510 bzw. 1512 mag die endgültige Vollendung der Kirche bezeichnen, denn auf eine Baustelle gibt man keine Monstranz.

      Von der reichen Stiftungstätigkeit der Bürger jener Zeit legen die Benefizien Zeugnis ab:

Frühmesse im Spital
Stifter: Dietrich Flusshart, Bürger zu Waidhofen
Datum: 1389

Tägliches Amt und Vesper
Stifter: Peter Grabner, Bürger von Waidhofen und Hans Bauer, Pfleger
Datum: 20. Juli 1436

Tenebrae jeden Freitag
Stifter: Bernhard Seisenegger zu Seisenegg und seine Frau Barbara, geb. Schweingartner
Hans Vorwitz
Datum: 5. November 1486

Leonhardsbenefizium

Stifter: Peter Kaltenpichler, Pfarrer von Wolfsbach
Wolf Kaltenpichler, Pfarrer von Wolfsbach
Wolf Lederer am Grieß
Michael Kinder, beide Bürger von Waidhofen
Datum: 8. Juni 1492
Benefiziat: 1528 Augustin Bruckner

Sieben Tagzeiten in der Oktav von Maria Heimsuchung und Fronleichnam
Stifter: Erhart Eisner, Bürger und dessen Frau Barbara geborene Lehrweh von Enns
und deren Mutter Katharina
Datum: 10. Juni 1495

Dreifaltigkeitsbenefizium

Stifter: Heinrich Diemayer, Pfarrer von Hollenstein
18. März 1492
Franz Apfelsbäck und dessen Frau Margaretha
Otto Kränkl
Kaspar Rottaler und seine Frau Barbara
Stefan Feldkircher
Georg von Eyzing
Datum: 5. September 1494

Benefiziaten:
1494 Joachim Spitzer
1507 Hanns Wiederberg
1536 Hans Heller
1544 Baltasar Kaufmann
1550 Sebald Taler
1559 Hans Karemaler

Johannes- und Veitbenefizium

Sifter: Andreas Kränkl und Katharina, geborene Lassetsteiner
Georg Lamprecht und Anna
15. April 1474
Andreas Kränkl
Mittwoch nach 25. 1. 1495
Caspar Bonora
Stefan Rottaler
Hieronymus Harofer
15. September 1504
Wolfgang Fink
13. September 1507

Benefiziaten:
1504 Wolfgang Fink
1505 Wolfgang Rabmüller
1508 Wolfgang Rinnkh
1523 Caspar Korbitz
1547 Leopold Mayr


Anna-Benefizium
Stifter: Peter Harder und Margaretha
Datum: 7. November 1501 und 24. 7. 1506
Benefiziat: 1501 Caspar Bonora

Rorate oder Goldenes Amt im Advent
Stifter: Stefan Rottaler und dessen Frau Barbara, Bürger in Waidhofen an der Ybbs
Agnes Feldkircher zu Wien
Datum: 5. Juli 1506

Salve in der Fastenzeit
Stifter: Andreas Kränkl, Ratsbürger, Zechmeister von St. Lamprecht

Hacker-Benefizium
Stifter: Franz Hacker von Opponitz und Margarethe
Datum: 21. Juni 1520
Benefiziat: 1526 Hans Stroppler

     Neben diesen großen Stiftungen mit eigenem Benefiziaten gab es noch eine Menge von einzelnen Jahrtagen. Die Vielzahl der Benefizien und die Fülle der Güter, die sich anhäuften, förderten bald nicht mehr die Frömmigkeit, was ihr ursprünglicher Zweck war, sondern erregten die Begehrlichkeit der Verwalter, die sie an sich bringen wollten. Die einsetzende Reformationsperiode ermöglichte eine tiefgreifende Wandlung dieser Strukturen.

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Dunkle Wolken

Eine schwere Bedrohung des blühenden Gemeinwesens bedeutete die herannahende Türkengefahr. 1532 bewährte sich die Bürgerschaft in der Abwehr der Akindschi und erhöhte voll Stolz den Stadtturm. In dieser Zeit des gesteigerten Selbstbewusstseins der Bürger fielen die neuen Ideen der Reformation auf fruchtbaren Boden. Die Loslösung vom freisingischen Grundherrn, die Regelung der pfarrlichen Belange und vor allem der reiche Benefizienbesitz waren die vorrangigen sozialpolitischen Ziele, auf die sich die Bestrebungen richteten. Das religiöse Ideal Luthers der Reform der Kirche nach dem „reinen Evangelium“ spielte nicht immer die Hauptrolle. Schon 1534 mußte der Bischof den Stadtrat die Herausgabe der Benefizien auftragen. Selbst der später protestantisch gewordene Pfarrer Edlinger musste 1567 gegen die Entfremdung der Kirchengüter durch den Rat einschreiten. Ab 1551 beginnt Pfarrer Edlinger änderungen im Gottesdienst einzuführen, 1557 stellt der Rat Oswald Schwefel, den ehemaligen Kaplan Edlingers, an der Bürgerspitalkirche als Prädikanten an, 1560 zieht der Rat die Kirche überhaupt ein.

     Vor allem in der Person des Stadtschreibers Wolf Ebenperger vermischen sich religiöse, wirtschaftliche und politische Interessen. Da der freisingische Pfleger Albrecht von Preising ebenfalls mit dem Rat sympathisierte, griff Freising vorerst nicht ein, und es entfaltete sich protestantisches Leben. Auch unter den Edlinger folgenden Pfarrern änderte sich nichts bis 1587. Die Katholiken sollen in dieser Zeit den Gottesdienst in Konradsheim besucht haben.

     Der übertriebene Machtanspruch des Rates führte schließlich zum Scheitern der Reformationsbewegung in Waidhofen.. Da die Handwerker gegen den Rat auftraten und weder bei ihm noch beim freisingischen Statthalter Gehör fanden, griffen sie zu den Waffen und gingen schließlich nach Freising selbst. Wolf Ebenperger seinerseits verhandelte mit der niederösterreichischen Regierung und ließ das freisingische Wappen vom Amstettner Tor entfernen. Es kamen Komissare, die Handwerker besetzten die Stadt und der untätige Pfleger wurde vom freisingischen Bischof abgesetzt. Ebenperger floh und wurde mit einem Wagen voll mit Wertgegenständen gestellt. Da bei alldem die religiösen Motive stets im Hintergrund blieben, deshalb konnte der katholische Landesfürst Erzherzog Ernst in der Hoffnung selbst gesteigerten Einfluss in der Stadt zu gewinnen durchaus den Rat begünstigen.
Der neue Pfleger Christoph Murhammer begann mit dem Widerstand. Seine erste Sorge galt einem katholischen Pfarrer. 1583 kam Hans Precheisen, der schon 1585 starb, ohne je in seiner Kirche eine Messe gefeiert zu haben, weil ihn der Rat daran hinderte. 1584 schoss man ihm in den Ostertagen 180 Fensterscheiben des Pfarrhofs ein.

     Am 12. Nov. 1586 kam nun eine Kommission nach Waidhofen, der Vertreter von Freising und des Landesfürsten angehörten. Der Rat gab die Schlüssel zur Pfarr- und Spitalkirche heraus, entließ die Prädikanten und der Jesuitenpater Scherer begann mit der katholischen Predigt. Murhammer drängte auf die Absetzung des Rates. Durch List konnte er ihn im Schloss gefangen setzen und ein neuer Rat konstituierte sich zum Großteil aus Handwerkern. Allerdings wurden seine Rechte massiv eingeschränkt. 1589 kam JDr. Jakob Lambert als katholischer Pfarrer.

     Als dieser 1590 einem protestantischem Kind das Begräbnis verweigerte, erzwang die aufgebrachte Menge vom Pfleger wieder die Schlüssel zur Spitalkirche, und es begann zu Pfingsten1590 dort wieder protestantischer Gottesdienst. Am 26. Aug. 1590 verjagte man den Pfarrer vom Altar der Stadtpfarrkirche, stieß den Kelch um, und riss dem Pfarrer das Messgewand herunter. Der Landesherr, Erzherzog Mathias, ließ daraufhin die Stadt belagern. Am ersten Adventsonntag waren Pfleger und Pfarrer wieder im Amt. Wurden diese Aufrührer noch relativ milde bestraft, so ging der neue Pfleger Tristan Schenk ab 1598 mit großer Härte gegen die verbliebenen Protestanten vor.

     1590 hatte man erstmals Fronleichnam wieder mit einer Prozession rund um die Kirche gefeiert. Konnte man damals nur mit Mühe vier Himmelträger finden, so ging drei Jahre später bei der Prozession schon wieder der Stadtrat mit und es wurden Böller geschossen. Allerdings befand sich damals auch eine Kommission in der Stadt, die den Fortgang der Rekatholisierung zu untersuchen hatte.

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Neuer Anfang

Nach den Turbulenzen der Reformationswirren ging es darum, den katholischen Glauben wieder in die Herzen der Menschen einzupflanzen. Die obrigkeitlichen Maßnahmen von Grundherr und Pfleger genügten dafür nicht. Dazu brauchte es wieder Menschen des Glaubens. Eine Reihe gut ausgebildeter frommer Pfarrer und die Absetzung des teilweise brutalen Pflegers Tristan Schenk führten eine änderung des Klimas herbei. Eine sichere Stütze dafür waren sicher die Bäcker - und Messererzunft, die 1629 die Bürgerspitalkirche neu für den katholischen Gottesdienst einrichteten. Pfarrer Hametmann und Pfleger Alexander von Negele gründeten1631 die Sebastiani Bruderschaft, die kräftige religiöse Impulse setzte.

    Pfarrer Gassner betrieb die Ansiedlung eines Kapuzinerklosters, mit dessen Bau 1648 begonnen werden konnte. Die Klosterkirche entwickelte sich seit 1652 zu einem religiösen Zentrum, wo in der Osterzeit bis zu 10.000 Beichten gehört wurden.

    Unter den Nachfolgern Gassners, den beiden Pocksteinern, wurde der religiöse Aufbruch fortgesetzt und gefestigt. Johann Bernhard Pocksteiner ließ an der Stelle der kleinen Marien(seiten)kapelle eine wesentlich größere erbauen und errichtete an ihr 16.. die Skapulierbruderschaft, in die er über 4000 Mitglieder einschreiben konnte. Diese Gruppe wirkte durch ihren regelmssigen Sakramentenempfang als Erneuerungsbewegung, die ohne Druck und Zwang auskam. Die Aufstellung der Mariensäule 1665 auf dem oberen Stadtplatz ist Zeugnis erstarkter Katholizität. Die Erhöhung des Kirchturmes und eine erste Barockisierung der Pfarrkirche sind ebenfalls als Anzeichen dafür zu werten. Allerdings sind die Mittel für diese Maßnahmen großteils aus der Privatschatulle des Pfarrers gekommen. Die Bürgerschaft der Stadt hatte damals noch alte finanzielle Sorgen und kämpfte mit den wirtschaftlichen Folgen der Konkurrenz von Außen. Wenige Neubauten in dieser Zeit geben Zeugnis von einer relativen wirtschaftlichen Stagnation.

    Was unter Johann Bernhard Pocksteiner begonnen hatte, setzte sein Vetter Johann Augustin tatkräftig fort. Das von ihm angeschaffte Geläute galt lange Zeit als das „stimmungsvollste“ der ganzen Diözese. Er erhöhte die Marienkapelle, ließ 1715 in ihr den neuen Altar von Diego Francesco Carlone errichten und die Kapelle mit Fresken schmücken, die leider verloren gingen. Es blühte die Wallfahrt an der Marienkapelle, wovon Andachtsbilder und das Inventar der reich bestückten Schatzkammer zeugen. An der Kapelle stiftete er ein Benefizium, dessen erster Benefiziat er in seinem Ruhestand wurde.

    Der Nachfolger Benedikt Reimer widmete seine Aufmerksamkeit neben der Seelsorge dem Bau des Pfarrhofs. Das Geld dafür borgte er sich vom Vermögen der Filialkirche St. Nikolaus in Konradsheim. Die zierliche Stuckdecke im Speisesaal des 2. Stockes, heute Teil des Pfarrsaales, wurde unter Pfarrer Max Karl Freiherr von Lerchenfeld auf Ahamb 1745 gestaltet. Josef Dominik Reichsgraf von Taufkirchen errichtete 1762 bis 1765 fünf neue Altäre in der Kirche und stattete sie mit Gemälden des berühmten Kremser Schmidt aus. Hier treten bereits wieder Bürger als Wohltäter auf, was auf bessere finanzielle Verhältnisse in der Stadt schließen lässt. Diese wertvolle Barockeinrichtung hat sich zum Teil in der Kirche in der Klosterkirche und in der Pfarrkirche Opponitz erhalten. 1767 beschließt die Anschaffung des Hl. Grabes die barocke Ausstattung.
    1785 wird die Pfarre der neuen Diözese St. Pölten zugeteilt und Sitz eines Dechants in der Person des damaligen Pfarrers Anton Seewald. Konradsheim und Zell werden als eigene Pfarren selbständig. Die Aufhebung aller Bruderschaften unter Josef II., die Aufhebung des Kapuzinerklosters 1787 und die Schließung der Marienkapelle kündigen wieder einen tiefgreifenden Einschnitt an.


Auf dem Weg in eine neue Zeit

Nach den Turbulenzen der Reformationswirren ging es darum, den katholischen Glauben wieder in die Herzen der Menschen einzupflanzen. Die obrigkeitlichen Maßnahmen von Grundherr und Pfleger genügten dafür nicht. Dazu brauchte es wieder glaubwürdige Vertreter des katholischen Glaubens. Eine Reihe gut ausgebildeter frommer Pfarrer und die Absetzung des teilweise brutalen Pflegers Tristan Schenk führten eine Änderung des Klimas herbei. Eine sichere Stütze dafür waren sicher die Bäcker – und Messererzunft, die 1629 die Bürgerspitalkirche neu für den katholischen Gottesdienst einrichteten. Pfarrer Hametmann und Pfleger Alexander von Negele gründeten1631 die Sebastiani Bruderschaft, die kräftige religiöse Impulse setzte.
Pfarrer Gassner betrieb die Ansiedlung der Kapuziner, deren Klosterbau 1648 begonnen werden konnte. Die Klosterkirche entwickelte sich seit 1652 zu einem religiösen Zentrum, wo in der Osterzeit bis zu 10.000 Beichten gehört wurden.
Unter den Nachfolgern Gassners, den beiden Pocksteinern, wurde der religiöse Aufbruch fortgesetzt und gefestigt. Johann Bernhard Pocksteiner ließ an der Stelle der kleinen Marien(seiten)kapelle eine wesentlich größere erbauen und errichtete an ihr 1661 die Skapulierbruderschaft, in die er über 4000 Mitglieder einschreiben konnte. Diese Gruppe wirkte durch ihren regelmäßigen Sakramentenempfang als Erneuerungsbewegung, die ohne Druck und Zwang auskam. Die Aufstellung der Mariensäule 1665 auf dem oberen Stadtplatz ist Zeugnis erstarkter Katholizität. Eine erste Barockisierung der Pfarrkirche ist ebenfalls als Anzeichen dafür zu werten. Allerdings sind die Mittel für diese Maßnahmen großteils aus der Privatschatulle des Pfarrers gekommen. Die Bürgerschaft der Stadt hatte damals noch alte finanzielle Sorgen und kämpfte mit den wirtschaftlichen Folgen der Konkurrenz von Außen. Die geringe Bautätigkeit in dieser Zeit zeugt von einer relativen wirtschaftlichen Stagnation.
Was unter Johann Bernhard Pocksteiner begonnen hatte, setzte sein Vetter Johann Augustin tatkräftig fort. Er erhöhte den Kirchturm für das von ihm angeschaffte stimmungsvolle Geläute, dessen drei erste Glocken noch erhalten sind. Er erhöhte die Marienkapelle, ließ 1715 in ihr den neuen Altar von Diego Francesco Carlone errichten und die Kapelle mit Fresken schmücken, die leider verloren gingen. Es blühte die Wallfahrt an der Marienkapelle, wovon Andachtsbilder und das Inventar der reich bestückten Schatzkammer zeugen. An der Kapelle stiftete er ein Benefizium, dessen erster Benefiziat er in seinem Ruhestand 1719 wurde.
Der Nachfolger Benedikt Reimer widmete seine Aufmerksamkeit neben der Seelsorge dem Bau des Pfarrhofs. Das Geld dafür borgte er sich vom Vermögen der Filialkirche St. Nikolaus in Konradsheim. Die zierliche Stuckdecke im Speisesaal des 2. Stockes, heute Teil des Pfarrsaales, wurde unter Pfarrer Max Karl Freiherr von Lerchenfeld auf Ahamb 1745 gestaltet. Josef Dominik Reichsgraf von Taufkirchen errichtete 1762 bis 1765 fünf neue Altäre in der Kirche und stattete sie mit Gemälden des berühmten Kremser Schmidt aus. Hier treten bereits wieder Bürger als Wohltäter auf, was auf bessere finanzielle Verhältnisse in der Stadt schließen lässt. Diese wertvolle Barockeinrichtung hat sich zum Teil in der Kirche selbst, in der Klosterkirche und in der Pfarrkirche Opponitz erhalten. 1767 beschließt die Anschaffung des Hl. Grabes die barocke Ausstattung.
1785 wird die Pfarre der neuen Diözese St. Pölten zugeteilt und Sitz eines Dechants in der Person des damaligen Pfarrers Anton Seewald. Konradsheim und Zell werden als eigene Pfarren selbständig. Die Aufhebung aller Bruderschaften unter Josef II., die Aufhebung des Kapuzinerklosters 1787 und die Schließung der Marienkapelle kündigen wieder einen tiefgreifenden Einschnitt an.

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Reihenfolge der Stadtpfarrer zu Waidhofen an der Ybbs

Folgende Pfarrer werden mit Bild, kurzem Lebenslauf und Lebenswerken vorgestellt:

Johann Hörtler



1807      geboren in Grub, Pfarre Weistrach
1830      zum Priester geweiht,  Kaplan in Purgstall,      
1842      Pfarrer von Scheibbs
1849      Dechant des Scheibbser Dekanates
1860      Pfarrer von Waidhofen, Dechant des Dekanates Waidhofen bis 1873
1873      Ehrenkanonikus des Domkapitels
1876      13. März verstorben in Waidhofen/Ybbs



Heute noch sichtbare Spuren in Waidhofen an der Ybbs:

1862     Einführung der Fastenpredigten
             Einführung der Erstkommunionfeier
             Kauf des Almwaldes in Windhag
1866     Einführung der Maiandachten
             Anschluß des Pfarrhofes an die Wasserleitung
1871     Gründung des Kindergartens im Pfarrhof und Berufung
             der Schulschwestern
1877     Posthum Errichtung der Johannesstiftung
              Hörtlergasse


Josef Gabler

1824     21. Jänner geboren in Ramsau, Pfarre Altpölla
1849     zum Priester geweiht, Aushilfspriester in Altpölla
1850     Kaplan in Waidhofen / Thaya
1855     Sekretär des Bischofs Ignaz Feigerle
1861     Konsistorialrat
1866     Pfarrer in Neuhofen an der Ybbs, Vizedechant des Dekanates Waidhofen/Ybbs
1886     Pfarrer von Waidhofen an der Ybbs, Dechant des Dekanates
1890     Ehrenkanonikus des Domkapitels
1902     13. September hier verstorben




Heute noch sichtbare Spuren in Waidhofen an der Ybbs:

1888     Verlegung des Friedhofs an seinen heutigen Platz
1889     Ankauf des Waldes Parz. 790 in Windhag
1891     Südempore in der Stadtpfarrkirche
1895     Nordempore in der Stadtpfarrkirche, Herz Jesu Statue in der Kirche
1897    Pflasterung der Kirche
1897    Neue Kreuzwegbilder (nun in Windhag), Erforscher und Aufzeichner vieler geistlicher und  weltlicher  Volkslieder


Ignaz Schindl

1839   15. Juni geboren in Beinhöfen (heute CZ)
1865   16. Juli zum Priester geweiht Kooperator in Mank
1866   Kooperator in Raabs an der Thaya
1866 Kooperator in St. Leonhard am Forst
1867   Kooperator in Tulln
1872   Religionsprofessor in Waidhofen an der Thaya
1887   Pfarrer in Maria Taferl
1893   Kanonikus des Domkapitels, Dompfarrer (bis 1897)
1902   Pfarrer und Dechant in Waidhofen an der Ybbs
1907   8. November Resignation auf die Pfarre
1908   14. September in Eggenburg verstorben


Heute noch sichtbare Spuren in Waidhofen an der Ybbs:

1903   Statue des "Prager Jesuleins" in der Marienkapelle
          Friedhofkapelle auf dem Städt. Friedhof
          Abtragung der Schweineställe vor dem Pfarrhof
           Planierung des Hofraumes
           Kachelöfen im Pfarrhof

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