Die Bürgerspitalkirche

1274
Eine Notiz des 19. Jahrhunderts nennt dieses Jahr der Errichtung des Bügerspitals durch den Bürger Hugo Eberhard. Es könnte sich dabei aber auch um das Siechenspital handeln.
1389 
Stiftung einer Frühmesse im Spital durch Friedrich Flusshart, die vom Pfarrklerus zu persolvieren ist
1430 
Um diese Zeit wird mit dem Neubau der Kirche und des Spitals begonnen. Es hatte 9 Zimmer.
1500 
wird die Kirche mit dem Seitenschiff in etwa fertiggestellt sein. Einrichtung der Kirche und Ausstattung mit Flügelaltar und Fresken
1570 
findet durch längere Zeit hindurch der protestantische Gottesdienst in der Bürgerspitalkirche statt
1629
Renovierung und Neuausstattung der Kirche für den katholischen Gottesdienst. Zugleich wird auch das Spitalgebäude grundlegend saniert.
1634
Mit der Aufstellung der Seitenaltäre dürfte die Renovierung abgeschlossen sein.
1635
Neues Urbar (Einkommensverzeichnis) des Spitals wird angelegt und eine Instruktion für den Spitalmeister (Verwalter)ausgearbeitet..
1639
Maria Wacholt stiftet im Hinblick auf die Anstellung eines eigenen Priesters.
1643
Orgelreperatur
1644 
Kapuziner zelebrieren bis zur Fertigstellung ihres neuen Klosters in der Bürgerspitalkirche.
1729  
Hundertjahrfeier der Wiedereinführung des katholischen Gottesdienstes
1730 
Armen-Seelen-Liebes-Versammlung an der Kirche
1735 
Bestätigung der Armen-Seelen-Liebesversammlung durch die Bischöfe von Freising und Passau und Kreierung der Messeleserstelle

1736 
Orgelneubau in dessen Zuge die Kirche „kalkweiss&"; ausgemalt wird. Damals
          wurden wahrscheinlich auch die Fresken übertüncht

1764 
Stiftbriefe über das Bürger- und Siechspital auf Geheiss der Nö Landesregierung

1776 
Abtragung des Dachreiters und Bau eines neuen Turmes bis 1777



1844 
Liquidierung der Landwirtschaft des Spitals

1848 
Umbau des Bürgerspitals und Aufschüttung des Kirchenbodens
           Im Bürgerspital leben ca. 30 „Pfründner&";.

1853 
Innenrenovierung der Kirche (bis 1859)



1864 
Neueindeckung des Turmes

1872 
Abriss des Spitaltores

1885 
Drei Jahre dauernde Renovierung des Flügelaltars
1902
Renovierung der Kirche. Neue Kirchenfenster
1906 
Freilegung der Steinkanzel
1915 
Neufassung der Satzungen der Armen-Seelen-Liebesversammlung, wodurch sie zum öffentlich rechtlichen Armen-Seelen-Liebesverein an der Bürgerspitalkirche Waidhofen an der Ybbs&"; wird. Die ausdrücklich religiös-sozial ausgerichtete Linie des Vereins bewahrt ihn auch vor der drohenden Auflösung im 3. Reich.
Die Stadtgemeinde übernimmt das Haus des Vereins und verpflichtet sich als Ersatz dem Missar in Zukunft eine miet- und betriebskostenfreie Wohnung im Bürgerspital oder in dessen Nähe zu bieten.
1947 
Die Stadt betreibt beim Land Nö die Auflösung des Armen-Seelen-Liebes-Vereins. Das Land Nö rät zur freiwilligen Selbstauflösung des Vereins.

1948 Tatsächliche freiwillige Selbstauflösung des Vereins. Damit erlischt das Präsentationsrecht des Stadtpfarrers und des Ernennung des Missars.
1974 
Renovierung der Kirche zum 900 Jahrjubiläum
2004 
Verkauf des Bürgerspitalgebäudes an die Rosenberg-Holding und Renovierung der Kirche
Interkonfessionelle Einigung über die Mitbenützung der Kirche durch die evangelische Pfarre Amstetten-Waidhofen.

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Der Innenraum

Man betritt die Kirche nordseitig durch ein Spitzbogenportal mit Stabauflagen und steigt über einige Stufen in das Kircheninnere hinab. Man muss sich auch im Inneren das ursprüngliche Kirchenniveau zwei bis drei Stufen tiefer vorstellen. Neben der Tür steht das achteckige Weihwasserbecken aus reich geädertem roten Marmor aus der Erbauungszeit um 1500.
Zunächst als einschiffiger Bau ausgeführt, wird dieser etwas später (1480) an der Südseite mit drei Arkaden geöffnet und ein Seitenschiff angebaut. Das stützenlose vierjochige Hauptschiff mit Rautennetzrippengewölbe auf Konsolen geht über den gering einspringenden Chorbogen über in den ebenfalls netzrippengewölbten, um eine Stufe erhöhten zweijochigen Altarraum. Das Seitenschiff ist wesentlich schmäler und hat fünf Joche, deren östliches mit einer Schräge zum Chorbogen hin abgeschlossen wird. Das Netzrippengewölbe über Wandkonsolen weist hier an einer Stelle einen „Wirbel“ auf. Im Westen zieht sich eine tiefe Empore über die gesamte Breite der Kirche. Diese Empore ruht im Bereich des Mittelschiffes auf einer Mittelstütze und teilt so auch den Raum darunter in zwei Schiffe. Die Empore im Bereich des Seitenschiffes ruht auf einem Kreuzgratgewölbe (Rippen abgeschlagen) und ist im oberen Bereich von der anderen Empore durch eine Wand mit Tür getrennt. Über die Treppe an der Kirchenrückwand war die Empore und das unmittelbar angrenzende Bürgerspital zu erreichen und die Bewohner konnten auf dieser Empore leichter den Kirchenraum besuchen. In diesem bereich führt auch eine Tür ins Freie und ein Rundfenster mit neugotischem Gitter ( R. v. Riewel) erhellt den Raum unter der Empore.
Das Hauptschiff erhellen zwei maßwerklose Spitzbogenfenster, die hl. Familie und den hl. Jakobus darstellend (1902). Das Presbyterium hat sechs große Spitzbogenfenster von denen das mittlere gänzlich, das südlichere zu drei Viertel zugemauert ist. Diese Fenster, 1894 und 1895 entstanden, zeigen den hl. Josef und die hl. Barbara, bzw. florale Motive. Im Seitenschiff spenden zwei Fenster Licht, von denen das östliche im äußeren Gewände mit einem Rundbogen, im Inneren aber so wie alle anderen mit einem Spitzbogen abschließt. Ersteres trägt die Abbildung „Herz Mariä“, in das andere sind die beiden Messererscheiben aus dem 15. Jhdt. eingefügt. Auf der einen Scheibe wird durch die Monstranz zwischen Engeln das Patronat der „Gottleichnamszeche der Messerer“ vorgestellt, auf der anderen bilden die Krone und die Messer des Martyriums der hl. Barbara das Zunftwappen der Messerer, das von einem Handwerker gehalten wird.

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Die Fresken

Vom einst reicher vorhandenen Freskenschmuck in der Kirche kann man nur mehr im Südschiff die Marter der hl. Barbara, das Messererwappen und die Kreuztragung Christi sehen und Heiligendarstellungen in den Fensterleibungen. Es wird in alten Quellen noch von Fresken aus dem Leben des hl. Florian und einer Ölbergdarstellung berichtet.

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Die Einrichtung

Der Raum besticht durch die Vielfalt und Qualität seiner Einrichtung. Der Hochaltar ist streng schwarz-gold gefasst (Johann Müller) und als Zweisäulenretabel ausgeführt (1631) mit zentralem Bild der hl. Katharina (F. Kandler, um 1854) und einer spätgotischen Madonnenfigur in der Auszugsnische. Die beiden Assistenzfiguren hl. Leopold und hl. Florian (um 1730) ersetzen zwei ältere Statuen, die an deren Stelle gestanden sind. Zum Hochaltar gehoren auch zwei Wechselbilder für die Advent- und Weihnachtszeit von F. Kandler (1854).
Der Tabernakel stammt aus späterer Zeit, als man mit der Aufbewahrung des Allerheiligsten begann (um 1735) und verdeckt leider ein Gemälde der Anbetung der Könige auf der Predella des Altars. Die Seitenaltäre am Chorbogen kamen erst 1634 zur Aufstellung. Im linken Kreuzaltar befindet sich ein Kreuzbild von F. Kandler (1854) flankiert von den Assistenzfiguren Maria und Johannes und einem Engel auf dem Aufsatzsegment.
Neben diesem Altar befindet sich in vergitterter Nische eine Gruppe der Anbetung der Weisen, die als Austauschfigur zur Predella des ehemaligen Hochaltars , der jetzt in der Pfarrkirche steht, gehört. Hier hängt auch ein Herz-Jesu-Bild in kostbarem Rokokorahmen, das mit leider verschwundenen Reliquiaren als Sockel einst als Mensabild auf einem Seitenaltar (der Pfarrkirche?) stand.
Den Marienaltar bei der Kanzel schmückt eine Bild der unbefleckten Empfängnis (F. Kandler 1854) mit den Assistenzfiguren der hll. Apostel Andreas und Philippus. Im Aufsatz steht eine Figur des hl. Apostels Johannes.

Am vorderen Arkadenbogen steht die Steinkanzel mit sechseckigem Korb auf gedrehtem Fuß aus der Zeit um 1500. Sie ist um 1600 mit Fresken geschmückt worden, die Moses und die vier Evangelisten stehend über leider nicht lesbaren Inschrifttafeln darstellen. Den Hintergrund der Kanzel bildet ein ausdrucksstarkes barockes Kruzifix.
Die wertvolle und schöne barocke Einrichtung wird ergänzt um ein monumentales Kruzifix (um 1530), das an der Stirnwand des Seitenschiffes steht, und dem später die Assistenzfiguren von Maria und Johannes beigegeben wurden.
Daneben steht eine Figur des hl. Apostels Judas Thaddäus von F. Lechner aus Scheibbs (um 1980) An der Stelle des ehemaligen Südportals befindet sich im spätbarocken Ädikulagehäuse über einfacher Mensa eine spätgotische Figurengruppe der Krönung Mariens (1500).
Den weiteren Figurenschmuck der Kirche bilden zwei große Statuen der Mater Dolorosa (um 1700) und ein „Ecce Homo“ (um 1700), die in den Sessionsnischen seitlich des Hochaltars stehen. Die gotischen Figuren von Ottilia und Wolfgang stehen über den Pfeilern der Orgelempore. Nach 1730 sorgten vermutlich die Sebastiani- und die Johannes Nepomukbruderschaft für die Aufstellung ihrer Schutzpatrone an den Wänden der Kirche.
In der Kirche befindet sich auch noch die Zunftstange der Bäckerzunft mit einer Figur der hl. Katharina. Der Bilderschmuck im Altarraum besteht aus sehr schönen Ölbildern des 18. Jahrhunderts, die Christus an der Geißelsäule, den hl. Johannes den Evangelisten, den hl. Johannes Nepomuk, den hl. Hieronymus und den hl. Johannes von Gott darstellen. Ein ikonographisch bedeutsames Bild der Eucharistietheologie stellt das sogenannte „Messererbild“ des 19. Jhdts dar, das ein älteres an dieser Stelle ersetzt. Darauf sind die drei Weisen der Selbstentäußerung Jesu dargestellt: Seine Menschwerdung, seine Hingabe im Tod am Kreuz und seine Gegenwart im Brot der hl. Hostie. Genau dieses ikonographische Programm liegt auch der sogenannten „Messerermonstranz“ der Pfarrkirche zugrunde.
Ein weiteres Bild mit äußerst seltener Thematik in unseren Breiten befindet sich über dem Portal. Die Darstellung wird um 1735 durch die Armenseelenliebsversammlung in die Kirche gekommen sein und stellt „die Sieben Zufluchten“ vor: 1.Die allerheiligste Dreifaltigkeit (als drei Personen dargestellt, was damals bereits untersagt war) 2.Die allerheiligste Eucharistie (Monstranz) 3.Die Gottesmutter Maria 4.Die Engel 5.Die Heiligen des Himmels 6.Die armen Seelen im Fegefeuer.

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Die Kreuzwegbilder sind Kopien des Führichkreuzweges

Unter der Empore des Seitenschiffes steht ein Krippenkasten (1976), der eine Wandelkrippe birgt, deren Krippenberg vom Waidhofner Krippenbauer Ignaz Oberrader stammt. Die Figuren stammen zum größten Teil von einer Vorgängerkrippe. Einzigartig für unser Gebiet ist die Ergänzung des weihnachtlichen Themas durch die Darstellung der Hochzeit zu Kana im Unterbau.
Die Orgel wurde 1976 von Prof. Mertens im alten Orgelkasten fast neu gebaut. Vom mehrfach umgebauten Werk, zuletzt wohl von Breinbauer, verwendete er nur die Manualwerkslade und zwei Register Holzpfeifen. Die Orgel wurde mit einem Motor ausgestattet und am 8. 12. 1976 geweiht. Das Orgelwerk ist einmanualig und hat folgende Disposition:
Im Manual: Principalino 8’, Discant Prinzipal 4’, Prospekt (8 Pfeifen von Ullmann, 1897)
Mixtur 1 1/3, 3 fach (18 Pfeifen von Ullmann, 1897)
Octav 2’ Rauschpfeife zweifach,
Discant Hohlflöte 2’, Bass
Rohrflöte 4’
Zimbelterz 4/5, Discant
Portun 8’, Discant und Portun 8’ Bass (alt)
Copula 8 (alt) mit neuen Discantpfeifen

Im Pedal:
Gedackt 16’ (neue Windlade und Traktur)
Pedalkoppel

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